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Erinnern an Emilie Schindler
Am 20. Oktober 2025 war Erika Rosenberg bei uns in der Bibliothek zu Gast, die in Buenos Aires Geschichtsprofessorin ist, aber in zwei bis drei Monate im Jahr auch in München wohnt. „Wenn man nach Deutschland kommt, ist alles freier, es ist gut, man weiß, was passiert“, sagt sie. Das sei lange nicht überall so, in Argentinien bis heute nicht.
Professorin Rosenberg hat Emilie Schindler kennengelernt, die Frau von Oskar Schindler. Das Ehepaar beschäftigte in ihrer Emaillewarenfabrik und später in der Munitionsfabrik in Krakau über 1000 Juden und schützten sie vor Razzien und Deportationen. Als der Druck der NS-Diktatur immer größer wurde, kauften die Schindlers „ihre“ jüdischen Arbeiter frei, um sie aus den Deportationslisten zu streichen. Nicht nur Oskar Schindler, wie das Spielbergs Film „Schindlers Liste“ darstellt, auch Emilie Schindler – das Ehepaar handelte gemeinsam.
Darauf legt Rosenberg Wert: Emilie war beteiligt, vertrat ihren Mann bei der Ankunft von Transporten, half den Menschen, wo sie konnte, vermittelte heimlich Ärzte, steckte Kleidung und Nahrung zu.
Die Schindlers hatten am Kriegsende 1945 kein Vermögen mehr, sie wanderten mit Hilfe einer Flüchtlingsorganisation für Juden nach Argentinien aus – dort konnten sie sich einen kleinen Bauernhof aufbauen. Als Oskar Schindler wegen vermögensrechtlicher Regelungen nach Deutschland reiste, blieb Emilie in Südamerika. 12 Jahre lang kämpfte Schindler um Anerkennung seiner Forderungen, letztlich bekam er einen Bruchteil – blieb aber in Deutschland und sah seine Frau nie wieder.
Emilie lebte in bescheidenen Verhältnissen und Rosenberg suchte sie im Rahmen eines Forschungsprojektes auf. „Dass eine so mutige Frau mit Zivilcourage und Herz in so einem Haus leben musste“, das kann Rosenberg nicht verstehen. Die beiden trafen sich oft und es entstand eine Biographie Emilie Schindlers, die in der Bibliothek ausgeliehen werden kann.
Professorin Erika Rosenberg erzählt nicht nur die Geschichte des Ehepaars Oskar und Emilie Schindler, sie tritt ein für Zivilcourage auch heute, sie gibt Einblicke in ihre Heimat Argentinien, in die ihre Eltern auf Umwegen vor der NS-Diktatur fliehen mussten. Argentinien, ein Land, das für Silber (argent) steht, die Stadt der guten Lüfte (Buenos Aires) – aber eben auch ein Land, das lange von einem Diktator regiert wurde.